born electric
Die ersten elektrischen Erfahrungen
Das Fahren mit dem i3 ist, im Vergleich zu einem ’normalen‘ Auto, ziemlich anders.
Der größter Unterschied ergibt sich durch das, von BMW so genannte, ‚one-pedal-feeling‘, d.h. das Fahren mit nur einem Pedal.
Ein Kupplungspedal hat der i3 sowieso nicht, der Elektromotor treibt direkt die Hinterachse an. Am Lenkrad gibt es einen Wählhebel für Vorwärts (D) , Rückwärts (R), Neutral (N) und einen zusätzlichen Knopf für Parken (P) – kein Getriebe, keine Kupplung.Das kennt man noch so oder so ähnlich von Automatikfahrzeugen.
Das Gaspedal funktioniert jedoch ganz anders. Fährt das Fahrzeug mit konstanter Geschwindigkeit und man geht vollständig vom Gaspedal, dann bremst das Fahrzeug relativ stark bis zum Stillstand ab. In diesem Fall gehen auch die Bremslichter automatisch an, ohne die eigentliche Bremse zu betätigen. Mit etwas Übung ist somit das Bremspedal überhaupt nicht notwendig.
Als besten Vergleich für das Fahrverhalten sehe ich eine Carrerabahn, sobald ich dort den Drücker los lasse, bleibt das Fahrzeug stehen. So ähnlich funktioniert auch der i3 – mit dem Pluspunkt, dass bei diesem Bremsvorgang Energie wieder in die Batterie zurück fließt.
Optisch gewöhnungsbedürftig sind die Reifen. Die aktuell montierten Winterreifen haben eine 155er Breite und 19 Zoll Felgen. Auf den ersten Blick sieht es eher nach Fahrradreifen aus. Ich muss aber zugeben, dass ich bisher keine negativen Effekte bemerkt habe.
Ein weiterer Pluspunkt ist der extrem kleine Wendekreis, ideal für die Stadt und das Einparken wird ebenfalls deutlich erleichtert.
Inzwischen fahre ich seit über einem Monat mit dem i3. So richtig alltäglich ist es aber trotzdem (noch) nicht.
Zum Fahrzeug selbst will ich hier nicht viel schreiben, dafür gibt es viele Testberichte, beim Händler steht der Wagen ebenfalls und Probefahrten sind ebenso möglich.
Also wie schlägt sich der i3 im Alltag?
Die Bedienung des Fahrzeugs ist anfangs etwas ungewohnt, gerade wenn man bisher noch kein Fahrzeug mit i-Drive hatte.
Die Fahrleistungen sind in den einzelnen Testberichten schon ausführlich behandelt worden, trotzdem ist die Realität doch etwas anderes.
Die Beschleunigung, vor allem auf den ersten Metern, ist enorm und im Alltag einem ’normalen‘ Auto überlegen. Bis 100 km/h ist man sehr souverän unterwegs.
Zwischen 100 und 150 wird es etwas zäher, ich denke aber nicht, dass man ein Verkehrshindernis darstellt . Bei 150 km/h ist Schluss (elektronisch abgeriegelt), d.h. für die Autobahn ist das Fahrzeug definitiv nicht gebaut (gerade auf Autobahnen ohne Geschwindigkeitsbegrenzung finde ich das etwas schwierig – im Vergleich zu den LKWs deutlich zu schnell, für die linke Spur zu langsam – dies ist aber nur mein persönlicher Eindruck).
Verbrauch? Reichweite?
Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt ist eine ‚echte‘ Reichweite von ca. 110 km möglich. Ich denke/hoffe, dass sich dies im Frühjahr noch deutlich verbessert. Ein Grund für den Reichweitenverlust ist die Heizung. Diese ‚kostet‘ bei Kälte zwischen 20 und 30 km Reichweite. Auch die montierten Winterreifen dürften noch zusätzlich den Verbrauch erhöhen. Laut Bordcomputer liegt mein Verbrauch bei 19,6 kWh pro 100 km. Hier sollte noch Spielraum nach unten möglich sein.
Beim Verbrauch spielt aber auch das Fahrprofil eine große Rolle. Im dichten Stadtverkehr mit viel Stop&Go sinkt der Verbrauch deutlich (13 kWh sind durchaus möglich).
Laden?
Ich muss zugeben, dass die genannten Ladezeiten mich anfangs etwas irritiert haben. Jetzt im Alltagsbetrieb spielt es eigentlich überhaupt keine Rolle. Sofern die Reichweite einer Batteriefüllung für das Tagespensum ausreicht, ist die eigentliche Ladezeit uninteressant. Sobald ich das Fahrzeug daheim abstelle, wird es an die Wallbox angeschlossen.
Geladen wird über Nacht und am nächsten Morgen ist die Batterie voll und der Wagen vorgewärmt (und eisfrei, das Fahrzeug steht im Freien).
Was sonst noch auffiel?
Trotz der doch sehr schmalen Reifen (155er) kann ich mich nicht über Traktionsprobleme oder unsicheres Fahrverhalten beschweren.
Durch den hohen Aufbau ist der i3 deutlich anfälliger gegenüber Seitenwind.
Die BMW i App ist noch verbesserungswürdig. Man kann dort zwar Abfahrtszeiten einstellen, diese unterscheiden aber nur zwischen Wochentag und Wochenende. Die Einstellung der Klimatisierung gilt immer für alle Abfahrtszeiten.
Die Sitze sehen zwar unbequem aus, sind es aber nicht, leider haben sie etwas zu wenig Seitenhalt.
BMW i3 – 135i – subjektiver Vergleich
Nach über einem Monat war ich gestern wieder in einem benzinbetriebenem Auto unterwegs.
Die letzten knapp 1400 km waren definitiv keine Werbung für Verbrennungsfahrzeuge, ich war irgendwie enttäuscht.
Die Fahrt mit meinem 1er wirkte auf mich ziemlich unzivilisiert. Im Vergleich zum i3 viel Lärm um nichts. Ich habe mir daheim, dann die technischen Daten und Messwerte gesucht um das zu verstehen.
Erstaunlicherweise ist der i3 dem 1er in vielen Belangen gleichwertig oder sogar überlegen. Dies gilt vor allem, wenn man den 1er nicht bis zum Maximum ausreizt und die Gänge entsprechend ausdreht.
Beispiel:
Beschleunigung von 80 bis 120
i3 – 4,9 Sekunden
135i – 5 Sekunden im 4. Gang bzw. 6 Sekunden im 5. Gang
Bei solchen Geschwindigkeiten fahre ich im 1er aber oft schon im 6. Gang. D.h. aber umgekehrt: Um mit dem 1er schneller zu sein, muss schon der 3. Gang bemüht werden. Dann ist die Drehzahl aber auf recht hohem Niveau und es fühlt sich doch schon sehr angestrengt an.
Beim i3 ist das viel unaufgeregter, aber nicht langsamer.
Ähnliches gilt für den Sprint von 0 bis 100 km/h. Auf dem Papier ist der 1er mit knapp 2 Sekunden weniger angegeben (5,3 zu 7,2). Im Alltagsbetrieb dürften hier aber gleiche Werte herauskommen.
Grund ist der Unterschied im Antrieb. Beim i3 reicht einfach ein Druck auf das Gaspedal. Um beim 1er die 5,3 Sekunden zu erreichen muss mit deutlich erhöhter Drehzahl angefahren werden. Wer macht das im Alltagsbetrieb?
Logisch, der 1er ist ein sehr gutes Auto für die Autobahn. Der i3 fährt bei 150 km/h in den Begrenzer und fährt sich dann auch etwas nervös (schmale Reifen, hoher Aufbau). Die Reichweite bei Höchstgeschwindigkeit habe ich noch nicht getestet, dürfte aber sehr deutlich unter 100 km liegen.
Der 1er kann hier Punkten und geht erst bei 100 km/h mehr ans Limit, die Reichweite schrumpft dann zwar auch deutlich, 300 km sind es aber mindestens.
Gestern war ich in diesem Jahr das erste Mal wieder an einer ’normalen‘ Tankstelle (irgendwann ist auch der Benzintank leer).
Der 1er hatte einen Verbrauch von fast genau 10 Litern auf 100 km (für das Fahrzeug ein normaler Wert, wenn keine Kurzstrecken gefahren werden).
Bei einem Benzinpreis von 1,56 € für SuperPlus ergibt dies 15,60 für 100 km.
Im Vergleich der i3:
Bei den aktuellen Bedingungen (Heizung notwendig und Winterreifen montiert) liegt der Verbrauch bei 19 kWh, bei einem Strompreis von aktuell 0,285 € sind das 5,42 €
Das ist schon deutlich.

